.gedichte



Liebe


Die singende Stille bringt den Raum zum überlaufen wenn nach einem Sonnentag die Tür ins Schloss fällt, die Verabredungen innerlich weiterschwatzen und wir bei offenen Türen in verschiedenen Zimmern ausruhen.
Der Innenhof pirscht durch die Fenster und ich kann die Welt berühren. Ich sehe meine Tränen kleben noch am Fensterglas - wie ein frischer Faustschlag schmerzt bis heute das damalige Entsetzen.



Ein Verhältnis

Unsere Beziehung war die eines Mädchens zu ihrem (durchsichtigen) Luftballon -
würde es darin einen Goldfisch ausführen und durch das beständige Plätschern eines schwebenden Wassers begleitet werden.
Ich klammere mich mit weichen Händen um den zu dünnen Faden.




Drei Beobachtungen

Die Sonne lackiert die Strassenbirken schwarz - man muss weiterkraulen, sich im Wasser vorwärtsstoßen und weiter nach Luft schnappen.

Hauptsache der Terrazzoboden ist beim aussteigen heiß und erregt.
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Zu lieben ist hart, denke ich.

Mein Luftballon-Gedicht ist verblaßt, die ungarischen Hyacinthe welk und unehrlich.

Ein kalter April bringt kalte Gedanken. Der Ostersonntag kommt wieder - letztes Jahr war ich glücklich da und  nur die Topfpflanzen meine Freunde. Währenddessen wuchsen sie wieder zu Menschen, sie nähren mich.

Ist er jetzt die alleinige Blume?
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Wenn Männer Blumensträuße bringen,
laufen sie im Auftrag -
als ob jemand sie beobachtete,
während einer guten Tat für Mama.

Keusch gesenkten Blick, Stolz im Mittelpunkt ihrer Geschichte, sehen sie sich von außen, als devote Helden ihrer Verehrten.


Die Motte

Eine Motte hat meinen Handrücken berührt in der leeren Wohnung: ich höre mich besser, wenn ich allein Körper bin.

Nicht meiner; sondern ein Beliebiger; den ich jeden Morgen neu begrüße: wie die Motte brauch´ich Dich zu spüren, denn ich seh´uns nur von Außen.



Et pourtant

Hexe" war mein Name, “Gelbe
Katze” war ich nur kurz - Du bist mir nicht geblieben.

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Der kleine Tiger
räuft sich und tobt um sich selbst
kaut an seinem jungen Fell
der goldene Blick versteckt nach innen gewandt
was ich nur tun würde um mir gehör zu erhaschen

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Ich habe meine Sprache vergessen, denn sie wurde mir gestohlen.
Mir ist die Seele schwer verstummt, verdörrt - wie von einer Pfirsichhaut gelingt
es mir nicht, sie vom Schimmel zu befreien.

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Meine Hände sind vor Trauer zu Hasenpfoten verkrampft, sie versuchen
Worte auszugraben. Diese sprechen wieder über Andere, während mein Kern
zeichnet immer nur Dich.

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Bitterster Abschied ist den man selbst für nötig hält. Stück für Stück reiße
ich die Fäden aus, die uns zusammenbanden - ich schaue den Minuten zu, wie
sie die Wunden heilen.




Wunderpferd

Ich probier dich aus. Streichle Dein Fell, fang an vorsichtig an deinem Schweif zu zupfen´, ich stell mir vor wie Du in der Mittagssonne stehst und dich an Dorfhäusern kratzt -. Du lässt dein Gewicht gehen, lasziv verformt sich Dein Fleisch an der Wand.

Ich möchte Orangen über Dir zerpressen lassen, bis sie bittersüss schreien
und dich langsam zukleben Zerfliessen sollst Du! Ich will sehen wie Deine schweissdurchnässte Mähne an Dir klatscht,

Deine Sehnen musst du zeigen, damit du glänzt und buttrig daherkommst, 
sodass Alle verkrampft die Augen schliessen, damit sie Deinem Schnauben gewissenslos horchen können.

Denn Du bist das Wunderpferd, das Objekt des erkorenen Ekels der Schönheit.



Jetzt war da

und weckte mich
mit ihrem lauten Glucksen lachte sie
über die eigene Einsamkeit.

Kopflos
aus offenem Rippenkorb
glühte ihre Geschlechtslosigkeit
Ein Satyr-Engel
als Kameramann unserer verborgenen Momente.

Bei schlechter Auflösung
kann man sie durch das Flimmern beobachten
und zusammen erschrecken
ab dieser geteilten Unwirklichkeit.


So fiel ich wieder zurück in Schlaf und
erwachte ohne Jetzt, Alleine im Traum.



Morgengrauen

Eine U-Bahn blinzelt stoppend Stationen,
eröffnet ins kalte Morgenkiez ihre müden Lider.
Es wird hinausgestochert ohne die Beine zu biegen, wie staubige Weinflaschen klappern wir uns gestammelte Streicheleinheiten entgegen, und bepflastern die Seele mit wohligem Segen. Denn es ist die gegrölte gemeinsame Melancholie, die gründet in erstillten Morgenstunden unsere stolzen Gestern wieder.



Aufgabe

Die abgewaschene Schminke
Häuft sich an und
Erwacht zum Leben
Zornerfüllt macht Sie sich auf
Ihr geopfertes Ich zu beweisen.


Gewalt

Ich fehle mir ohne Dich.
Blätter in meinen Gedanken
und sei Du endlich
mein Ende und Anfang.

Verlasse mich in krankem
bitteren seelischen Unklang -
Erleuchte! nein, Erdunkle mich!

So flehe ich um Deinen Stich,
Soll all edles Zögern von mir weichen
sodass, in süßer Agonie erbleichend
der Wahrheit Schwärze ich erblick.

Copyright Alma Lux Grossen. ︎︎ ︎